Fischland-Darss 2013

Nationalpark Boddenlandschaft

Die Boddenlandschaft zwischen Darss, Zingst, Hiddensee und Westrügen gehört zu den wenigen noch erhaltenen naturbelassenen Großlandschaften Mitteleuropas.

Die Küstengewässer des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft bieten durch große Flachwassergebiete gute Bedingungen für die Rast der Kraniche. Diese Bereiche befinden sich östlich der Ostseehalbinsel Zingst bei den Werder-Inseln. Im Frühjahr auf dem Weg in den Norden und im Herbst auf dem Weg nach Spanien und Südfrankreich rasten ca. 50.000 bis 60.000 Kraniche  in dieser Region. Nachts schlafen sie stehend im flachem Wasser, am Tage fressen sie sich auf den Feldern den nötigen Energievorrat für den  Flug an. Um Schäden bei der Neuaussaat auf den Feldern zu vermeiden, werden vom Land Mecklenburg-Vorpommern Ablenkfütterungen auf bestimmten Feldern vorgenommen, die die Kraniche gut annehmen.

Ein weiteres Highlight ist die Anfang September beginnende die Paarungszeit des Rotwildes, die bis in den Oktober hinein andauert.

Deshalb machten wir Ende September spontan eine Woche Fotourlaub auf dem Darss, und hofften,  das Rotwild bei der Brunft  fotografieren zu können. Außerdem nahm die Zahl der Kraniche, die sich in der Umgebung aufhielten, tagtäglich zu ,und wir hofften auf schöne Fotomöglichkeiten. Zwar fahren wir uns ab und zu auch in die Diepholzer Moorniederung, jedoch halten sich hier nicht derart große Mengen an Kranichen auf wie im Mecklenburg-Vorpommern.

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Trotz des Brückentages, des Darsser Naturfilmfestivals, der Zingster Nationalparktage  und der Ferienzeit haben wir noch eine ruhig gelegene Ferienwohnung gefunden. Internetanschluss war zugesagt, aber wie sich dann rausstellte, funktionierte er leider nur draußen, und das war bei dem kalten Wetter dann doch nicht so prickelnd. Aufgrund der abgelegenen Lage der Ferienwohnung gab es keinen Anschluss an das öffentliche Trinkwasser, deshalb kam das Wasser aus dem Brunnen und war unansehnlich braun. Zum Zähneputzen und Duschen haben wir es benutzt, aber das wars dann auch. Jeden Morgen sind wir zum Frühstücken nach Born gefahren, und am Abend ließen wir es uns in diversen Restaurants gutgehen.

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Am 1. Tag fuhren wir nach Prerow und parkten auf einem großen Parkplatz. Wie fast überall gab es das Angebot eines Tagestickets. Dann fuhren wir mit der Darss-Bahn ca. 5 km bis zum Hafen Darsser Ort weiter. Sie kam bereits ordentlich gefüllt an der Parkplatz Bernsteinweg an, und wir quetschten uns mit unserem Fotoequipment mühevoll auf den Notsitz. Die Fahrt dauerte ca. 15 Minuten, dann ging es zu Fuß weiter, vorbei an einem Fahrradparkplatz. Die Wege  am Darss sind weit, und ohne ein Fahrrad ist man hier aufgeschmissen, das haben wir gemerkt,besonders beim Rückweg.

Nach ca. 2 Kilometer Fußmarsch, teilweise am Randes des Dünenkiefernwalds und einen Bohlenweg entlang  Richtung Darsser Ort konnten wir schon das Röhren der Hirsche vernehmen, wenn auch das hohe Schilf die Sicht versperrte. Da die Hirsche gelernt haben, dass am Darsser Ort nicht gejagt wird, kommen sie auch am Tage raus.

Da wir noch keine Ortskenntnis besaßen, waren wir viel zu früh vor Ort, denn wir hatten absolutes Gegenlicht. Am Besten ist es, wenn man sich am frühen Nachmittag auf den Weg macht, dann hat man so etwa ab 16 Uhr das schönsten Licht…wenn die Sonne scheint. Oder man macht sich ganz frühmorgens auf den Weg, fast noch im Dunkeln, am Besten mit Taschenlampe.

Aber da wir nun mal da waren, hielten wir uns auch gut 6 Stunden dort auf ,hörten die Hirsche, beobchteten sie mit dem Fernrohr , aber zum Fotografieren waren sie sehr weit entfernt. Deshalb sind die Fotos auch nicht so wirklich gut. Aber man kann ja noch einmal hierherkommen.

Es gibt auch eine Beobachtungsplattform, aber aufgrund der zahlreichen Besucher war sie total überfüllt. Da müsste man schon dickfällig seinen Platz verteidigen.

Da wir die Darssbahn für den Rückweg benutzen wollten, machten wir uns wieder auf den Rückweg, mussten aber leider feststellen, dass die letzte Bahn um 17 Uhr gefahren war. Das war nun ziemlich dumm, denn so mussten wir die verbleibenden 5 km zu Fuß gehen, und das nach 6 Stunden stehen. Ich wurde immer kleiner und sank in mich zusammen, Hans steckte es besser weg.

Einen eindrucksvollen Bericht über eine frühmorgendliche Wanderung zu den Rothirschen habe ich hier gefunden: http://www.schwenk-naturfoto.de/Seite33.html

In den nächsten Tagen machten wir uns auf die Suche nach Kranichen. Zu Tausenden rasten sie ein paar Wochen  auf ihrem Flug von Skandinavien nach Spanien und Nord-Afrika. Tagsüber kann man sie auf dem Festland am Boden beobachten, wenn sie auf abgeernteten Maisfeldern die Reste picken.

In der Nähe von Günz gibt es eine große Ablenkfütterung, wo man die Vögel ganz aus der Nähe beobachten kann.
Die Kraniche kennen diese Stelle. Sie bekommen hier ihre Mahlzeit kostenlos auf die Wiese gestreut. Sie wissen, dass sich hier auch Menschen aufhalten, die sich aber hinter einer Absperrung aufhalten müssen. Das lernen die Kraniche und entsprechend dicht …ca.50 bis 100 Meter … lassen sie es zu, dass die Menschen hier frei sichtbar stehen. Sonst liegt ihre Fluchtdistanz bei ca. 300 Metern.

Schon von Weitem konnte man zahlreiche PKWs erkennen, der Parkplatz war ziemlich gefüllt, aber ein Plätzchen fanden wir noch. Nun galt es, einen guten Platz vorne an der Absperrung zu bekommen. Nachdem eine größere Gruppe das Gelände verließ, gelang uns das auch. Das Wetter wechselte von bewölkt bis sonnig, wobei so viel Sonne wegen auftretenden Überstrahlungen gar nicht so gut ist.

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Meistens hielten sich die Kraniche vor den Beobachtungshütten auf, die man anmieten kann. Noch im Dunkeln muss man es sich in der  Hütte „bequem“ machen, vorher kann man noch einen Eimer Mais ausstreuen, damit die Kraniche sich auch vor der Hütte aufhalten. Erst wenn alle Kraniche zu ihren Schlafplätzen aufgebrochen sind, darf man die Hütte wieder verlassen. Eine sehr anstrengende wenn auch spannende Möglichkeit, den Kranichen sehr nah zu sein.

Insgesamt an die 6 Stunden hielten wir uns am Günzer See auf, bis das Licht so ungünstig wurde, dass die Kraniche das Licht von der falschen Seite bekamen. Wir fuhren zurück, erinnerten uns, dass wir auf dem Hinweg ein Hinweisschild zu einem Cafe gesehen hatten, fanden es auch und wärmten uns bei Kaffee und Kuchen auf.

Wenn man mit so vielen Naturfotografen bei den Kranichen steht, kommt man auch mit dem einen oder anderen ins Gespräch, und dadurch erfuhren wir von einer anderen „Kranichstelle“, die wir nun suchten. Die genannte Location fanden wir zwar nicht, dafür aber  auf der Weiterfahrt riesige Felder und staunten über die Mengen an Kranichen. Da war die Stelle am Günzer See gar nichts gegen. Leider hielt sich eine schwarze Wolke über einen längeren Zeitraum konstant  vor der Sonne. Erst als die Kraniche zu ihren Schlafplätzen aufbrachen, war dann auch die Sonne wieder da…leider zu spät für schöne Kranichfotos, aber ausreichend für Sonnenuntergangsfotos.

Ein besonderes Erlebnis ist der  abendliche Einflug der Kraniche an der großen Kirr.

Am späten Nachmittag treffen sich zahlreiche Kranich-Gucker auf der Brücke von Barth nach Zingst und in Zingst auf dem Deich am Hafen. Die Kraniche fliegen zum Schlafen in die flachen Boddenwässer des  Barther Boddens vor der Insel Große Kirr. Sie schlafen stehend im knietiefen Wasser, nutzen aber auch die Vogelschutzinsel Großer Kirr, denn auf dieser gibt es keine Füchse.

Kleine Kranichgruppen fliegen ein, junge Familien und lange Ketten mit zahlreichen Vögeln. Sie fliegen meistens in Keilform. Ein Kranich an der Spitze, die anderen dahinter in einer kürzeren und einer langen Reihe, ähnlich einer Eins.
Die kleinen Jungvögel in der Kette fliegen im Windschatten und sparen dadurch Energie, denn eine Etappe der Kraniche aus Skandinavien beträgt immerhin um die 1000 Kilometer pro Tag, und die Reisegeschwindigkeit liegt bei etwa 70 bis 80 Stundenkilometer in einer Höhe um 2000 Metern.
Kurz vor der Insel löst sich die Flug-Ordnung auf.
Die ersten 15 Vögel an der Spitze sind meistens die ältesten Weibchen, weit über 20 Jahre alt, die genau wissen, dass ihr Trupp eine Geschwindigkeit von rund 100 Sachen drauf hat. Wenn die so auf der Insel landen, würden die Kleinen sich den Hals brechen. Deshalb bremsen die Weibchen vorne und machen diverse Flugmanöver. Sie brauchen Platz zur Landung.

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Das Kranich-Spektakel am Darß hält meist an bis in den Spätherbst, bis es richtig kalt wird und ein straffer Wind aus Nordost zum Weiterfliegen einlädt.

Auch zu den Kranichen hat Uwe Schwenk geplaudert.

Sonnenuntergänge am Weststrand waren neben Rothirsch und Kranich ein weiteres Highlight.

Auch am  Strand fanden wir einige Motive.

Zum Schluss zeigen wir  noch ein paar Fotos der  schönen reetgedeckten Häuser mit ihren bemalten Türen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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